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  • Radtour auf Aland

    Eine Fahrradtour auf Åland

    die fünftägige Radtour

    Unsere Radtour auf Åland - die nördliche Schärentour - hatten wir als Viking Line Paket per E-Mail gebucht. Wir starteten unsere Fahrradtour morgens in Turku und kamen mittags in Mariehamn an. Dort nahmen wir direkt gegenüber dem Vikingterminal unsere bestellten Fahrräder und eine Fahrradtasche in Empfang. Die Helme und eine zweite Fahrradtasche hatten wir mit. Irgendwo musste unser Gepäck ja auch vorher sein. Unser erstes Ziel war Degerby auf Föglö. Wir radelten auf guten Radwegen von Mariehamn Stadt los. Auf dem Weg besichtigten wir Lemlands Kanal an der Grenze zwischen Jomala und Lemland. Von Lumparland setzten wir mit der Fähre nach Föglö über. Direkt dort in Degerby übernachteten wir in Degerby’s Mat och Cafe, wo wir auch zu Abend aßen und åländisches Stallhagen Bier tranken. Alternative dazu wäre das historische Hofensemble Enigheten.

    Am nächsten Morgen fuhren wir zum Fähranleger von Överö Dazwischen gab es noch eine Straßenfähre, wie man sie oft in Finnland findet und die nach Bedarf verkehren. Im Nordteil von Föglö gibt es ein schönes Naturschutzgebiet, an dessen Rand sich auch ein nettes Cafe fand. Im südlichen Hafen von Kumlinge gibt es einen größeren Seglerhafen. Erstaunlicherweise ist nebenan auch ein Restaurant von gehobenem Niveau, das wir am Abend besuchten und wo wir zum Nachtisch die berühmten åländische Pfannkuchen aßen. Direkt dort gibt es einen Berg mit Funkmast, den man wegen der schönen Aussicht erklimmen sollte. Vom Hafen sind es noch ca. 8 km bis ins Zentrum von Kumlinge, wo unser Quartier Länsmans Värdshus lag. Dort gibt es auch eine schöne alte Kirche, die sich zu besichtigen lohnt. Im Zentrum ist ein Geschäft, wo wir uns mit Obst, Gebäck und Getränken eindeckten. Einkaufsmöglichkeiten sind auf Aland auf den äußeren Inseln naturgemäß dünn gesät, sodass man die Möglichkeiten tunlichst nützen sollte.

    Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, um in Kumlinges nördlichem Hafen die Fähre nach Vårdö zu erreichen. Ansonsten hätten wir fast den ganzen Tag auf Kumlinge bleiben müssen. Da wir daher früh ankamen, radelten wir vom Hafen Hummelvik eine Extraschleife nach Simskäla zum Haus von Anni Blomqvist, das man allerdings nur in Gruppen besichtigen kann. Sie hatte mit „Stormskärs Maja“ einen großen Bucherfolg, der in den siebziger Jahren auch als TV-Serie verfilmt wurde. Zu Mittag aßen wir in Stormskärs Värdshus eine Fischplatte, die zu empfehlen war. Es gibt auf Vårdö auch einige kleinere Museen, wie das Schulmuseum und das Heimatmuseum, die sich zu besichtigen lohnen. Auf Vårdö ist auch Sally Salminen geboren, die Verfasserin von „Katrina“. Das Haus, in dem sie aufwuchs, steht im Zentrum von Vårdö, wo es auch einen Laden gibt.

    Am Abend übernachteten wir in Prästö stugor, nicht unbedingt für Radwanderer zu empfehlen, da man Bettwäsche und Handtücher ziemlich teuer leihen muss, was den Preis dann auf normales Übernachtungsniveau anhebt. Die Hütten sind auch ziemlich klein und wenig komfortabel. Es gibt aber natürlich eine Sauna und das Frühstück war auch ganz o.k. Da Prästö kurz vor Bommarsund liegt, machten wir abends noch einen Abstecher dorthin. Bommarsund ist eine Festung aus der russischen Besatzungszeit, die nie ganz fertig wurde und im „Krimkrieg“ 1854 zerstört wurde. Aber die Ruinen sind ganz eindrucksvoll.

    Für den nächsten Tag hatten wir das normale Reiseprogramm abgeändert und um einen Tag verlängert, da wir sonst ziemlich direkt zum Hafen gemusst hätten. Geschickt wäre auch in Kombination damit die Übernachtung in Prästö durch den Aufenthalt in Bomans Gästhem auf Vårdö oder durch Kastelholms Gästhem zu ersetzen. Durch die Verlängerung hatten wir genügend Zeit am Sund von Kastellholm zu verweilen und uns das Freilichtmuseum Jan Karlsgården anzusehen. Dort sind alte Hofgebäude aus allen Teilen Ålands wiederaufgebaut worden und ergeben ein eindrucksvolles Ensemble, das im Sommer durch mannigfaltige traditionelle Aktivitäten belebt wird. Direkt benachbart am Sund liegt das Schloss von Kastelholm, Ålands Burg aus dem Mittelalter. Diese war zwar eine Ruine, wurde aber in Teilen in den letzten Jahren wiederaufgebaut, ist als Museum zu besichtigen und in jedem Falle eindrucksvoll.

    Nachmittags radelten wir weiter nach Godby und übernachteten dort im Wandererheim, durchaus angenehm. Unterwegs überquert man den Fjärsund über eine große Brücke. Es lohnt sich das dortige Kaffee Uppe På Berget zu besuchen und die fantastische Aussicht vom Turm zu genießen. Dies war auch der einzige Tag, wo wir nachmittags etwas Regen abbekamen. Am nächsten Morgen machten wir noch einen kleinen Umweg über Finström und besichtigten dort eine der vielen mittelalterlichen Kirchen Ålands. Dann radelten wir über Jomala zurück nach Mariehamn, besichtigten die Stadt, gaben am Hafen unsere Räder zurück und warteten auf die Mittagsfähre nach Turku.

    Fazit und Anmerkungen

    Wir hatten unsere Tour für den Anfang Juli gebucht und hatten keine Schwierigkeiten den gewünschten Termin und freie Übernachtungsmöglichkeiten zu bekommen. Die angebotenen Unterkünfte sind im Prinzip für Radfahrer in Ordnung. Man kann auf den Inseln außerhalb auch keine Wunder erwarten und Alternativen sind eh selten.

    Es empfiehlt sich, vorher eine gute Åland-Karte zu kaufen. Sich zu verfahren ist zwar schwierig, aber wegen der Hinweise auf Sehenswürdigkeiten und speziell für die Hauptinsel ist das doch praktisch. Der Reiseführer Åland-Inseln von der Edition Elch ist sehr nützlich, aber nicht in allen Teilen ausführlich und präzise genug. Man kommt auf Åland in Teilen mit der finnischen Sprache ganz gut zurecht, zur Not muss man sich der dortigen Landessprache schwedisch bedienen oder englisch sprechen.

    Die größeren Fähren zwischen den Inseln verkehren nach Fahrplan zwei- oder dreimal am Tag und man muss seine Reise schon gut danach planen, um nicht irgendwo hängen zu bleiben. Dies führt auch dazu, dass man auf einigen Inseln entweder sehr viel oder nur knapp Zeit hat, was nicht immer mit dem touristischen oder sonstigen Angebot korrespondieren muss.

    Das Radfahrerpaket von Viking Line ist ein faires Angebot. Wenn man alles einzeln buchen würde, käme man annähern auf den gleichen Preis und logistisch wird man wegen der Abfahrtszeiten der Fähren auch keine großen Varianten finden können. Allerdings wäre eine Tourenbeschreibung des Veranstalters mit Hinweisen auf die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Route, Öffnungszeiten, Versorgungsmöglichkeiten, Cafes etc. sehr nützlich. Vorbildlich ist da z.B. Turku-Touring, da war bei der Schärentour genau angegeben, wo man noch einkaufen konnte und sollte, wenn sich später keine andere Möglichkeit mehr bot.

    Die vorgesehenen Tagesetappen auf dem Rad sind nicht sehr lang, offiziell zwischen 20 und 44 km und sehr gut zu schaffen. Man kommt aber auf mehr, wenn man einige Schlenker zum Essen oder für Besichtigungen einbaut. Generell kann man auf Åland sehr gut radeln, da das Gelände naturgemäß ziemlich flach ist. Auf der Hauptinsel gibt es sogar viele Radwege. Auf den Inseln sind die Straßen gut und der Verkehr ist nur nach dem Anlegen der Fähren etwas dichter. Auch sind die größeren Fähren zwischen den Inseln generell für Radfahrer und Fußgänger umsonst.

    Die Qualität unserer für das Gelände ausreichenden älteren Standardräder war befriedigend. Als wir die Räder abgaben, wurden aber offensichtlich gerade neue geliefert. Die Mietpreise für Räder sind in Finnland generell etwas hoch. Ob es sich lohnt eigene Räder mitzubringen, muss man selbst entscheiden. da ja dann auch zusätzliches Entgelt auf der Fähre anfällt.

    Unbedingt zu empfehlen ist es, die Standardtour um einen Tag zu verlängern. Man sieht sonst Kastelholm, Jan Karlsgården, einige alte Kirchen und Mariehamn nur im Vorbeifahren, weil man die Fähre nach Turku erreichen muss. Insgesamt bietet Åland zwar keine Sensationen aber viele interessante Sehenswürdigkeiten und eine schöne Natur mit z.B. Orchideen, die man bei einem Besuch gar nicht alle schaffen kann. Die Tage sind im Sommer zwar lang, aber die Öffnungszeiten leider begrenzt. So könnte man bei der Radtour auf Lemland die dortige Kirche und den Schifferhof Pellas besichtigen. Auf Enklinge wäre noch das Freilichtmuseum Hermas zu besuchen, etwas schwierig wegen der Fähranbindung. Auf Sund ist die dortige Kirche sehenswert und in Mariehamn sollte man sich einen Eindruck von der Stadt verschaffen und das Segelschiff Pommern und das Seefahrtsmuseum besichtigen. Hinweisen will ich noch auf den uralten Postweg, dem man von Gölby/Godby bis Vårdö folgt.

    Falls man die Radtour selbst plant, was etwas aufwendig aber durchaus möglich ist, sollte man wissen, dass es offensichtlich eine gewisse Konkurrenz zwischen Viking Line und Eckerö-Linjen gibt. Dies führt dazu, dass der jeweilige Anbieter bevorzugt seine Vertragsunterkünfte darstellt. Also bei beiden gucken. So sind die Verzeichnisse nie ganz vollständig und es fehlt manchmal der Hinweis auf zusätzliche Übernachtungs- oder Essmöglichkeiten für Radwanderer ohne viel Gepäck. Im Interesse der doch sehr reizvollen Insel wäre hier eine Verbesserung von zentraler Stelle wünschenswert.
    • by Bernhard Strotmann, Kaufungen/Kassel, Germany
      65 days ago.

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